1. Bundesliga - Eine breite, deutsche Achse ist ein Plus für den AVG


Markneukirchen – Nach den Glücksmomenten bei den Olympischen Spielen in Tokio, richten die deutschen Ringer und deren Fans den Blick auf die anstehenden Mannschaftsmeisterschaften. Beim AV Germania Markneukirchen hielt man sich über die Zusammenstellung der Mannschaft bislang etwas bedeckt, stand doch der Brand, der die Trainings- und Wettkampfarena völlig zerstörte, im Vordergrund.

Mannschaftsleiter Jörg Guttmann hatte das Team schon frühzeitig gebunden, das Aufgebot war bereits vor dem Brand an Bord, welches nun in der Musikhalle seine Bundesligaduelle bestreiten wird. Als Ersatzhalle wurde die Sporthalle des Gymnasiums in Markneukirchen benannt. „Für den Fall das die Infektionszahlen erneut stark ansteigen und keine Zuschauer zugelassen sind, können wir auch in der Sporthalle des Gymnasiums kämpfen“, so der AVG-Vorsitzende Jens Berndt, der jedoch von einer solchen Konstellation nicht ausgeht. „Wenn bis zu 20.000 Leute in ein Fußballstadion dürfen, sollten auch 300 - 400 Zuschauer in die Musikhalle kommen können, denn schließlich bemühen wir uns auch in diesem Jahr in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt um eine gängige Lösung“, so Jens Berndt optimistisch.

Doch die 26 Bundesligateams drückt der Schuh in diesem Jahr an anderer Stelle, denn viele Verantwortlichen verpflichteten Athleten aus Ländern, in denen die Infektionszahlen ungebrochen hoch sind und die vor ihren Kämpfen in Quarantäne müssten. „Mit wöchentlichen Hin- und Herfliegen ist das gar nicht machbar“, schüttelt Mannschaftsleiter Jörg Guttmann den Kopf. Damit stehen auch in der Saison 2021/2022 die Athleten mit deutschem Pass im Blickpunkt, die ohne Beschränkungen zum Einsatz kommen können und sich darüber hinaus bei der Punktbewertung der Teams günstig auswirken, die vor drei Jahren eingeführt wurde. So wird ein Eigengewächs mit minus zwei Punkten bewertet, ein ausländischer Ringer, der Medaillen bei internationalen Meisterschaften erkämpft hat, schlägt mit bis zu acht Zählern zu Buche, so die Eckdaten, alle anderen Aktiven bewegen sich mit ihren Punkten dazwischen. An der Waage werden die Punkte der 10 Athleten addiert, kein Team darf mehr als 28 Punkte aufbieten, sonst wird der Ringer mit den meisten Zählern – also der Beste im Aufgebot, aus der Wiegeliste gestrichen.

Hierbei ist die AV Germania Markneukirchen mit seiner starken, deutschen Achse hervorragend aufgestellt. So kämpft Roman Walter (61/66 kg) weiter in den unteren Gewichtsklassen im Freistil, Neuzugang Dustin Scherf, der nach seinem Gastspiel im Vorjahr beim AVG anheuerte, besetzt die gleichen Gewichtsklassen, allerdings im griechisch-römischen Stil. In den mittleren Gewichtsklassen bietet der AVG den frisch gebackenen Juniorenmeister Marco Stoll (71 kg), sowie Maximilian Simon (75 kg) und Serjan Simonyan (75 kg) auf, die alle im griechisch-römischen Stil kämpfen. Simonyan lebt schon lange in Deutschland und ist mit deutschen Ringern als N6 gleichgestellt, steht damit nicht als ausländische Verstärkung im Markneukirchner Aufgebot. William Stier und Justin Müller kämpfen ebenfalls in den mittleren Gewichtsklassen (75 kg), im freien Stil (75 kg).

Verstärkt wird die deutsche Achse zudem mit den beiden Neuzugängen Erik Löser (80 kg) und Anton Vieweg (97 kg), die aus Gelenau zum AVG rückten. Friedrich Fouda (98 kg) hat in den Herbstmonaten Prüfungsstreß in seinem Studium, steht in dieser Saison nur als Reservist bereit. Im Team festgebissen hat sich seit der vergangenen Saison auch Freistilspezialist Patrick Dublinowski (86 kg), der wie sein älterer Bruder Lukasz, der viele Jahre im AVG-Trikot kämpfte, im Besitz eines deutschen Passes ist und damit nicht in das Ausländerkontingent fällt.

Nicht zuletzt steht Franz Richter für den AVG bereit, der das schwerste Limit bis 130 Kilo im griechisch-römischen Stil besetzt.

Insgesamt hat der AV Germania mit Franz Richter, Anton Vieweg, Erik Löser und Marco Stoll vier Griechisch-Römisch-Ringer im Aufgebot, die in den DRB-Auswahlteams der Junioren und U-23 stehen. Dazu zählen kann man auch Maximilian Simon, der nach seiner Ausbildung zum KFZ-Mechaniker erneut Anlauf ins DRB-Team nehmen möchte.

Am letzten Wochenende hatte Jörg Guttmann, sowie Andre Backhaus den Großteil des Teams schon einmal zum Trainingswochenende zusammengeholt. „Die Stimmung in der Mannschaft ist ausgezeichnet, die meisten Athleten trainieren an den Stützpunkten in Leipzig und Frankfurt(O.), sind also bestens auf die Saison vorbereitet“, freut sich Andre Backhaus auf den Startschuss, der für den AVG am 11. September beim KSV Hösbach fällt. Zum ersten Heimkampf erwarten die Germanen nach der WM-Pause am 16. Oktober den FC Erzgebirge Aue im Oberen Vogtland. „Der FCE hat sich mit einer großen Summe an der Spendenaktion für den Wiederaufbau unserer Arena beteiligt, ob sie die Punkte freiwillig hier lassen, ist ungewiss“, lacht Jörg Guttmann und freut sich wie seine Ringer sowie die Fans auf spannende Duelle.


Jörg Richter


Bilder: Sportfotos24

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