Germanen kämpfen in Lichtenfels vor Geisterkulisse


bester Punktesammler der Hinrunde: Darsam Dzhaparov

Achtelfinalbegegnungen größtenteils ohne Zuschauer - Finanzielle und personelle Engpässe drohen den Endrundenteilnehmern


Markneukirchen – Am Samstag beginnt in der Ringer-Bundesliga die Endrunde um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft, doch statt dem Jubel, in die K.-o.-Runde eingezogen zu sein, drücken die meisten der 16 Vereine große Sorgen.

So haben viele Spitzenvereine die lukrative Endrunde in den Etat einbezogen, doch nun fehlt in den meisten der 8 Begegnungen die Kulisse und damit Eintrittsgelder, sowie der Umsatz am Imbiss. Während in der Vorrunde eher die echten Fans und vor allem ehemalige Ringer die Zuschauerränge füllen, strömt in den Finalbegegnungen erfahrungsgemäß auch das sportinteressierte ‚Laufpublikum‘ in die Arenen, was die Zuschauerzahlen in die Höhe katapultieren lässt. In Markneukirchen strömten zum Heim-Auftaktduell im Oktober gegen Aue über 400 Zuschauer in die Musikhalle, doch zum Ende der Rückrunde mussten die Germanen ohne Rückhalt von den Rängen auskommen. Vor allem das Derby gegen Greiz riss ein großes Loch in die Vereinskasse. "Da wären mit Sicherheit 700 Leute in die Musikhalle geströmt", bedauert der AVG-Vorsitzende Jens Berndt die fehlenden Einnahmen an der Abendkasse und am Imbiss. Auch am Samstagabend werden bei den Achtelfinal-Hinrundenbegegnungen in den meisten Sporthallen die Plätze leer bleiben. Von einem ‚Schlag in die Magengrube‘ ist die Rede, lebt doch der Ringkampfsport vor allem von der stimmungsgewaltigen Kulisse, nun droht erneut ein ‚Totentanz‘ auf der Ringermatte.


Neben den leeren Zuschauerrängen droht einigen Teams ein Engpass in der Mannschaftsaufstellung, denn durch Corona haben viele ‚Ringer-Asse‘, die vor allem aus Osteuropa zu den Kämpfen einfliegen, Probleme ins Land zu kommen.

Doch auch Verletzungen und Erkrankungen von Athleten forderten ein erstes Opfer, so bekommt der ASV Urloffen keine volle Mannschaft zusammen und gibt wenige Tage vor dem Achtelfinalkampf beim RSV Rotation Greiz auf. Das Team aus Thüringen ist damit kampflos erster Viertelfinalteilnehmer. "Diese Probleme haben alle Teams, auch wir müssen alle Register ziehen, um nach den Feiertagen, bei den bestehenden Corona-Beschränkungen eine volle Mannschaft zusammenzubekommen, zudem fehlen die Zuschauereinnahmen und bei uns sind die Zuschauer sozusagen der Hauptsponsor", so Jens Berndt weiter. Die Frage nach finanziellen Engpässen verneint der Vereinschef, denn der AVG hatte mithilfe vieler regionaler Sponsoren den Etat schon vor der Saison zusammen und zumindest das Achtelfinale geplant. Doch mit dem AC Lichtenfels hat man nun einen Gegner, der durchaus schlagbar erscheint, ein Sieg in der Addition von Hin- und Rückkampf würde ein Vorrücken ins Viertelfinale bedeuten. Ohne Zuschauer wird es dann auch in Markneukirchen noch einmal einen Kassensturz geben müssen.


Diskussionen um das ‚wie weiter‘ bewegt derzeit alle 15 verbliebenen Vereine in der Endrunde um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Glücklich dürften jene Erstligateams sein, die ihren Etat vor der Saison zusammen hatten, doch für die Verantwortlichen, die auf Einnahmen aus den Endrundenbegegnungen gehofft haben, brechen ab dem Achtelfinale schwere Zeiten an. Noch liegt der AVG finanziell und personell im Plan, "... mit den Fans beim Heimkampf am 15. Januar in der Musikhalle würde ich ruhiger schlafen", so Jens Berndt mit Blick auf die bevorstehenden Kämpfe.


Bild:

'Volle Hütte' - beim Heimauftakt des AV Germania Markneukirchen gegen Aue, doch in den letzten Kämpfen blieben die Zuschauer außen vor. Eine Geisterkulisse droht nun auch den Teams in der Endrunde. Große Gegner und leere Kassen - Deutscher Mannschaftsmeister wird diesmal wohl, wer die meisten finanziellen Reserven und die stabilste Kaderdecke hat.


Jörg Richter

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