Germanen verlieren Poker an der Waage


Ein lachendes aber auch ein weinendes Auge... gegen abgezockte Lichtenfelser scheiden unsere jungen Germanen denkbar knapp aus der DMM aus!

Der AV Germania Markneukirchen unterliegt im Achtelfinal-Rückkampf vor heimischer Kulisse dem AC Lichtenfels mit 12:15. Nach dem 17:17 aus dem Hinkampf in Lichtenfels sind die Germanen damit ausgeschieden. Doch es waren nicht nur die Kämpfe auf der Matte, schon der Poker an der Waage ist mitunter kampfentscheidend und da hatte Lichtenfels gleich zweimal das glücklichere Händchen. Schon in Lichtenfels stellte ACL-Trainer Tobias Schütz den Ungarn Zsombor Gulyas gegen William Stier (80 kg/FR), während man Markneukirchens Ausnahmeringer Darsam Dzhaparov (75 kg/FR) ins Leere laufen ließ.

In Markneukirchen pokerte AVG-Mannschaftsleiter Jörg Guttmann bis kurz vor dem Wiegen und auch da hatte Lichtenfels erneut den Vorteil auf seiner Seite. Dabei hatte Guttmann mit seinem Trainerteam alles auf eine Karte gesetzt, Valerij Borgoiakov (57 kg/GR) ‚geopfert‘ und die leichteste Gewichtsklasse zugunsten von Dzhaparov im Limit bis 75 kg unbesetzt gelassen. „Man darf nur einen Ausländer aus den Nicht-EU-Staaten einsetzen und wir hatten uns für Dzhaparov entschieden“, so Guttmann. Damit hatte Lichtenfels gerechnet und den Griechisch-Römisch-Ringer Niklas Ohff gegen Dzhaparov gestellt, der gegen den Russen chancenlos war. Doch da war der Kampf längst entschieden.

Nach dem Wiegen schien Lichtenfels leicht im Vorteil, dennoch gab es durchaus Chancen für Markneukirchen. Die wurden jedoch schon im ersten Duell verspielt, denn nachdem Ömer Recep (57 kg/GR) für Lichtenfels kampflos zum Sieger erklärt wurde, stand Markneukirchens Schwergewichtler Magomedgadzhi Nurasulov (130 kg/FR) gegen den 15 Kilo schwereren Polen Kamil Kosciolek beim 0:6 auf verlorenem Posten. Alle Angriffe des nach Serbien gewechselten Russen wurden eine willkommene Beute des Polen, der sich aufs Kontern verlegte und damit zwei Mannschaftspunkte zum 6:0 für Lichtenfels einsackte. Roman Walter (61 kg/FR) fand kein technisches Mittel gegen den gut aufgelegten Türken Ahmet Duman und unterlag mit 0:12 Punkten. Einen starken Kampf machte Anton Vieweg (98 kg/GR) gegen den EM-Bronzemedaillengewinner von 2020 und 2021 Hannes Wagner. In der zweiten Runde ging der Markneukirchner Neuzugang gar in Führung, doch Wagner schaffte es trotz Oberschenkelverletzung, den Vize-Europameister der Junioren von der Kampffläche zu drängen und holte sich damit den Siegpunkt zum 4:3.

Im letzten Duell vor der Pause war Markneukirchens Dustin Scherf (66 kg/GR) klar der aktivere Ringer, doch der erfahrene Rumen Savchev ließ sich nicht beeindrucken und hielt den 3:1-Punktsieg bis zum Schlussgong fest. Damit führte Lichtenfels zur Halbzeit mit 11:0.

Mit dem Anpfiff zur zweiten Hälfte des Kampfabends blies Markneukirchen zur Aufholjagd. Patryk Dublinowski (86 kg/FR) rollte seinen Kontrahenten Darius Mayek schon nach 26 Sekunden mit 16:0 im Bodenkampf aus und auch Stefan Coman (71 kg/FR) war seinem Kontrahenten Lukas Tomaszek überlegen – aber nicht überlegen genug, 15:2 Punkte nach sechs Minuten, damit gingen nur drei-, statt der erhofften vier Zähler auf das Markneukirchner Konto. Wenn allein Nurasulov (130 kg), oder Scherf (66 kg) als Sieger von der Matte gegangen wären, dann hätte das Duell zwischen Erik Löser (80 kg/GR) und Maximilian Schwabe eine Vorentscheidung bringen können. Und Löser machte seine Sache gegen den erfahrenen EM- und WM-Teilnehmer aus Pausa gut und siegte mit 3:1 Zählern. Damit war Markneukirchen in der Mannschaftswertung vor den letzten beiden Kämpfen im Weltergewicht bis auf 8:11 herangekommen. Doch die Lichtenfelser Trainerbank hatte mit Can Selcuk noch ein Ass im Ärmel, jenen Türken, der bei den Europameisterschaften 2021 in Warschau (POL) den dreifachen Weltmeister Frank Stäbler aus dem Rennen geworfen hatte. Maximilian Simon (75 kg/GR) blieb chancenlos, nach nur 1:40 Minuten hatte Selcuk mit sehenswerten Würfen 16:0 Punkte gesammelt, die zum Abbruch durch technische Überlegenheit führten. Damit war der Kampf entschieden, Lichtenfels unter dem Jubel der etwa 50 mitgereisten Fans im Viertelfinale. Der schnelle Sieg von Markneukirchens Schlussringer Darsam Dzhaparov (75 kg/FR) über Niklas Ohff war nur noch Ergebniskosmetik zum 12:15-Endstand.

Während die Ringer, Trainer und Fans des ACL jubelten, waren es zunächst traurige Gesichter aufseiten des AVG, die sich von ihren Fans in Blaugelb nach überragender Saison den verdienten Applaus abholten. „Nach dem überraschenden zweiten Platz in der Vorrunde und dem 17:17, sowie dem 12:15 im Achtelfinale, können wir die Saison erhobenen Hauptes beenden“, schlug Hallensprecher Nico Picker, einst selbst erfolgreicher Freistilringer, den Bogen zu den Saisonzielen, die alle erreicht wurden.

Bürgermeister Andreas Rubner: „Wenn auch nur ein Kampf in der ersten Hälfte gedreht wird, dann hätten wir Chancen auf ein Weiterkommen gehabt“.

Tobias Schütz, Trainer des ACL: „Das 11:0 zur Halbzeit war schon ein Pfund, für uns Motivation, für Markneukirchen ein Schock“.

Andy Schubert, Trainer des AVG: „Wir haben schon im Hinkampf wichtige Punkte liegenlassen, mussten uns heute zwischen Borgoiakov und Dzhapaev entscheiden, da nur ein russischer Ringer kämpfen darf“.

Dustin Scherf, Ringer AVG: „Es war Mega, noch einmal vor heimischer Kulisse zu kämpfen, ich will nicht mit einer Niederlage aufhören und werde damit in der kommenden Saison mit dem AVG noch einmal angreifen“.


Anton Vieweg (98 kg/GR - rotes Trikot), Neuzugang des AVG aus dem Erzgebirge machte gegen den Bronzemedaillengewinner der EM von 2020 und 2021 Hannes Wagner einen großen Kampf, den der Vize-Europameister der Junioren nur hauchdünn mit 3:4 das Nachsehen hatte.

© Jörg Richter

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