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Deutliche Heimniederlage gegen bärenstarke Vikings


Gleich in seinem ersten Kampf überzeugt: Muhammet Emin Cakir

Langsam neigt sich die Vorrunde der 1. Ringer-Bundesliga dem Ende entgegen, immer wieder geht der Blick hin zum Tabellenstand, der an den letzten Kampftagen noch einmal ordentlich durcheinander gewirbelt wurde.


Beim Heimkampf des AV Germania Markneukirchen gegen den KSC Hösbach war die Favoritenfrage schon nach dem Wiegen klar, der Tabellenzweite war mit voller Kapelle in die Musikhalle nach Markneukirchen gekommen, die letzten Begegnungen des AV Germania gegen Schorndorf, Greiz und die sehr stark aufgestellten Franken vom SV Johannis Nürnberg hatten den Play-Off-Kandidaten aus Hösbach gewarnt.


Doch auch in den Reihen des AV Germania fand sich ein neues Gesicht, Muhammet Cakir bekam nach mehreren internationalen Wettkämpfen für den türkischen Verband endlich die Freigabe und absolvierte seinen ersten Kampf für den AV Germania, den er gegen Hösbachs Peter Haase auch klar mit 12:2 gewann. „Ein guter Einstieg des 19-jährigen, der bei seinem allerersten Bundesligakampf natürlich sehr aufgeregt war“, so AVG-Mannschaftsleiter Jörg Guttmann zufrieden, dass zumindest die leichten Gewichtsklassen in Bestbesetzung aufgeboten werden konnten.

Einen internationalen Spitzenkampf konnten die 200 Zuschauer in der Musikhalle im Schwergewicht verfolgen, Magomedgadzhi Nurasulov hatte als EM-Fünfter dieses Jahres, mit Hösbachs Vladimir Baitsaev einen ehemaligen Landsmann vor der Brust, der 2018 noch für Russland den Europameistertitel gewann, seit 2019 für Ungarn kämpft und für die Magyaren in diesem Jahr Vize-Europameister wurde. In einem eher taktisch geführten Kampf setzte sich Baitsaev mit 5:0 gegen den Markneukirchner Schwergewichtler mit serbischen Pass durch.

Schwer hatte es einmal mehr Roman Walter (61 kg/FR), der es mit Daulet Temirzhanov, einem international erfahrenen Kasachen zu tun bekam, der einen Kampf auf hohem, technischen Niveau bot. Doch Roman Walter hielt dagegen, kämpfte mehrere Aktionen im Bodenkampf aus und erhielt trotz vorzeitiger Niederlage den Applaus der fachkundigen, Markneukirchner Fans. Angefeuert wurde auch Luca Dariozzi, der sich einmal mehr im schwereren 98-Kilo-Limit in den Dienst der Mannschaft stellte und dem 15 Kilo schwereren Ilja Klasner ordentlich Paroli bot. Die 0:12-Punktniederlage konnte der sympathische Italiener im Trikot des AVG allerdings nicht verhindern. Im letzten Kampf vor der Pause schulterte Dustin Scherf (66 kg/GR) seinen Kontrahenten Julian Farbmacher mit einem Wurf nach nur wenigen Sekunden zum 7:9-Halbzeitstand aus Sicht des AVG.


Sechs Minuten Angriffsringkampf, angefeuert von den AVG-Fans, bot Patryk Dublinowski (86 kg/FR), der mit dem Schlusspfiff den entscheidenden Punkt zum 4:3 gegen DRB-Auswahlringer Johannes Deml schaffte und damit seine Erfolgsserie fortsetzte. Viel vorgenommen hatte sich Mannschaftskapitän Justin Müller (71 kg/GR), der gegen Niklas Dorn viereinhalb Minuten gut mithielt, dann jedoch im Bodenkampf in eine Beinschraube seines Kontrahenten geriet, aus der er sich nicht mehr befreien konnte und zum 0:16 ‚ausgerollt‘ wurde.

Einen seltsamen Kampf hatte Serjan Simonjan (80 kg/GR) zu überstehen, denn sein Kontrahent, der Bulgare Aik Mnatsakanian schien in diesem ungleichen Duell Angriffe aus dem Stand zu üben. Immer wieder riss der Europameisterschafts-Dritte dieses Jahres den AVG-Ringer ab und brachte Simonjan in die Bodenlage, wo er dann aber nicht weiterkämpfte. Nach 5:26 Minuten brach Kampfrichter Andre Schedler (Zella-Mehlis) die Übungsstunde von Mnatsakanian beim Stand von 15:0 Punkten, durch technische Überlegenheit des Bulgaren ab.

Hösbachs Trainer Mario Wohlfahrt hatte am Ende mit Gevorg Sahakyan (75 kg/GR) noch ein Ass im Ärmel. Der gebürtige Armenier, der 2018 einen polnischen Pass bekam, 2019 Vize-Europameister wurde und 2021 in Oslo (NOR) Bronze bei den Weltmeisterschaften gewann, trat gegen AVG-Youngster Marco Stoll auf die Matte. Sahakyan ist bekannt für seine starken Ausheber aus dem Bodenkampf und auch den AVG-Ringer hob der Pole nach einer Passivitätsverwarnung an Stoll aus. Doch anstatt zu werfen, stürzte Sahakyan seinen Gegner kopfüber auf die Matte, eine Technik, die schon öfters zu Verletzungen führte und auch bei den Kampfrichtern nicht gerne gesehen wird. „Sahakyan hätte mit seinem technischen Können auch durch ganz normale Würfe gewinnen können, statt Stoll kopfüber auf die Matte zu stürzen“, ärgerte sich auch der Vorsitzende des AVG Jens Berndt über den gefährlichen Wurf des Hösbachers, der sich für diese gefährliche Aktion noch feiern ließ.


Ein versöhnliches Ende für den AVG gab es beim Duell von Ruslan Shapiev (75 kg/FR) gegen Tim Müller, einem der besten deutschen Freistilringer in dieser Gewichtsklasse. Shapiev ließ nichts anbrennen und setzte sich mit 6:0 durch, was nur noch Ergebniskosmetik zum 10:21-Endstand bedeutete.

„Wir waren froh, dass es endlich mit Muhammet Cakir geklappt hat, aber insgesamt geht der Sieg verdient an Hösbach, die heute gegen uns alle Register gezogen haben“, so AVG-Trainer Andy Schubert bei der Pressekonferenz nach dem Kampf.


Freie-Presse-Mitarbeiter Jörg Richter sprach nach der Begegnung mit Mario Wohlfahrt, dem Trainer des KSC Hösbach.

Als die Mannschaftsaufstellung des KSC Hösbach vor dem Saisonstart bekannt gegeben wurde, zählte deine Mannschaft für viele Insider zum engeren Kreis für Viertel- und Halbfinale, heute habt ihr in Markneukirchen mit Fingerzeig auf die Play-Offs die Muskeln spielen lassen ?

Mario Wohlfahrt: „Es hatten sich ja alle Spitzenteams gut verstärkt, wenn mir vor der Saison einer gesagt hätte, dass wir Vorrunden-Zweiter werden, dann hätte ich es nicht geglaubt. Doch nun sind wir es und wollen es bis zum Ende der Vorrunde auch bleiben. Markneukirchen hat eine starke Mannschaft zusammen, hier darf man sich keine Schwächen leisten“.


Ihr habt sehr gute, ausländische Vier-Punkte-Ringer im Aufgebot, aber auch gute deutsche Ringer, eine Mischung, mit der ihr weit kommen könnt, die Ziele wurden jetzt noch etwas angehoben ?

Mario Wohlfahrt: „Wir sind trotz einiger Verletzungen bislang gut durch die Saison gekommen, die Mannschaft ist zusammen gewachsen, die ausländischen Verstärkungen bleiben über die Saison bei uns und sind wichtige Trainingspartner für unsere Eigengewächse, es passt einfach Vieles“.


Es gab viele Diskussionen um die 28-Punkte-Regel, die jetzt noch modifiziert wird, wie siehst du die Vorgaben des DRB ?

Mario Wohlfahrt: „Wenn in Zukunft Erfolge bei Deutschen Meisterschaften in dieses Punktsystem einbezogen werden, haben wir mit unseren guten deutschen Aushängeschildern wie Tim Müller, oder Johannes Deml, sowie weiteren Talenten im Nachwuchsbereich kein Problem. Nur wenn einer unserer Ringer, die mit minus zwei Punkten über die Waage gehen, verletzt ausfallen, dann müssen wir auch auf einen der Spitzenringer verzichten, um die 28-Punkte-Vorgabe einzuhalten“.


Jörg Richter




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