Ein 22-jähriger Erzgebirger lässt Weltklasseringer verzweifeln


Erik Löser (86 kg/GR, blaues Trikot) gegen Hannes Wagner (Lichtenfels)

Das Bundesligateam des AV Germania Markneukirchen kämpft in diesem Jahr weit über den Erwartungen. War es zunächst der überraschende zweite Platz in der Vorrundengruppe Ost, so haben die Ringer aus dem oberen Vogtland nun gar die Möglichkeit, sich unter die besten acht Teams – also ins Viertelfinale zu schieben. Einer, der sich in seinen Kämpfen viel Lorbeer verdiente, war Neuzugang Erik Löser.


Erik Löser kommt aus einer Ringerfamilie, Großvater und Vater kämpften für den SV Auerbach/E. mit sieben Jahren folgte er den Spuren, hatte 2006 erstmals Berührung mit der Ringermatte. Im Jugendbereich wechselte er nach Gelenau, schlug dann einen leistungssportlichen Weg ein, der ihn über die Sportschule Chemnitz an das Sportgymnasium Leipzig führte. Dort schloss er das Abitur ab und begann im September 2021 eine Ausbildung bei der sächsischen Polizei. In der Sportfördergruppe konnte er Sport und Ausbildung gut verbinden.


Seit 2016 kämpft der Erzgebirger auf internationalen Matten, sein bislang größter Erfolg war ein 7. Rang bei den Weltmeisterschaften der Junioren in Tallin (EST) 2019. National stand er einmal auf dem obersten Treppchen bei Deutschen Meisterschaften, zweimal gewann Erik Löser Silber und einmal Bronze. „Ich habe jetzt noch ein Jahr in der U-23, das will ich natürlich nutzen, um vorn anzuklopfen und ab dem nächsten Jahr bei den Männern anzugreifen“, so Erik Löser, der in den Bundesligaduellen eine gute Möglichkeit sieht, sich auf die Kämpfe gegen internationale Konkurrenz vorzubereiten.


Im Vorjahr kämpfte Erik Löser noch in der Regionalliga im Team des RSK Gelenau, in der laufenden Meisterschaftsrunde, sucht der 22-jährige beim AV Germania Markneukirchen die Herausforderung in der 1. Bundesliga. "Es gab mehrere Anfragen, habe mich aber für Markneukirchen entschieden, wo schon Trainingskameraden aus Leipzig unterschrieben hatten", ist der Erzgebirger vom ersten Tag an, beim AVG gut aufgenommen worden und fühlt sich im Vogtland pudelwohl.


Und wie sich Erik Löser in der höchsten, deutschen Kampfklasse, teils gegen Weltklasseathleten verkauft, ist aller Ehren wert. „Erik hat die Herausforderung angenommen und wird sich über die Bundesligabegegnungen weiterentwickeln“, ist sich AVG-Trainer Andy Schubert sicher. „Allein wie er am vergangenen Samstag in Lichtenfels gegen den Bronzemedaillengewinner der Europameisterschaften von 2020 und 2021 Hannes Wagner nach dem schnellen 0:7 weiterkämpfte und eine vorzeitige Niederlage verhinderte, war eine grandiose Leistung“, so Schubert weiter.

Gerade dieses 17:17 in Lichtenfels hat gezeigt, wie wichtig es ist, eine Niederlage gegen einen überlegenen Gegner im Rahmen zu halten und nur wenige Mannschaftspunkte abzugeben“, zählt auch AVG-Mannschaftsleiter Jörg Guttmann den Markneukirchner Neuzugang trotz seiner Niederlage zu den ‚Gewinnern‘ bei der Punkteteilung im Achtelfinal-Hinkampf.

Und so war es auch gegen Greiz, als Erik Löser dem international erfahrenen Moldawier Igor Besleaga beim Rückkampf in Markneukirchen die Stirn bot und nur zwei Mannschaftspunkte abgab. „Beim 17:16-Erfolg des AVG gegen den RSV Rotation war auch das kampfentscheidend“, so Guttmann anerkennend.


„Ich glaube, wir könnten jetzt jeden einzelnen Kampf aufzählen, den Erik Löser in dieser Saison für Markneukirchen bestritten hat, er hatte immer Weltklasseathleten gegen sich, denen er ordentlich Paroli bot“, weiß auch Ex-Europameister Andre Backhaus, der sich mit Andy Schubert die Trainerbank beim AVG teilt, das gerade diese Duelle überaus wichtig sind, um Erfahrungen zu sammeln und irgendwann selbst ganz oben anzukommen. Für den AVG-, aber auch für Erik Löser eine 'Win-win-Situation'.


Jörg Richter


Erik beim Abklatschen mit seinen Jungs vom AVG ©Oliver Stach


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