Markneukirchen gewinnt das Sachsenderby


Anton Vieweg mit seinem ersten Bundesligasieg ©Ralf Wendland

Aue – Das Sachsenderby in der Bundesliga Staffel-Ost endet mit einem 16:11-Auswärtserfolg des AV Germania Markneukirchen bei den Ringern des FC Erzgebirge Aue. Was zwischen dem Tabellenzweiten aus dem Vogtland- und dem Letzten aus dem Lößnitztal wie eine klare Sache erschien, entpuppte sich am Ende als Arbeitssieg der Markneukirchner. Und hätte FCE-Trainer Björn Schöniger die an Corona erkrankten Steven Ecker und Krzysztof Bienkowski zur Verfügung gehabt, wäre das Ergebnis wohl noch enger geworden.


So stand der Sieg für Valerij Borgoiakov im leichtesten Limit (57 kg/GR) schon an der Waage fest, denn FCE-Papiergewichtler Hussein Adel hielt das vorgeschriebene Gewichtslimit nicht ein und auch im Freundschaftsduell hatte Borgoiakov kaum Mühe, um zum schnellen Schultersieg zu kommen. Eine echte Prüfung hatte Markneukirchens Schwergewichtler Magomedgadzhi Nurasulov (130 kg/FR) zu überstehen, denn der FC Erzgebirge zauberte den Vize-Europameister von 2020 und amtierenden polnischen Meister Robert Baran aus dem Hut, der sich mit 3:0 Kampfpunkten gegen den AVG-Neuzugang durchsetzte.

Keiner strapaziert die Nerven des AVG-Trainergespanns Backhaus/Schubert so wie Roman Walter (61 kg/FR). Nach seinem 11:10-Herzschlag-Sieg aus der Vorwoche gegen Lübtheen, legte der Hofer nun ein 8:7 gegen Philipp Herzog nach, wobei es in den letzten Sekunden des Kampfes noch einmal zu einem offenen ‚Schlagabtausch‘ kam, bei dem Kampfrichter Stefan Hetzheim jeweils zwei Punkte zum 8:7 vergab.

Zwei junge Erzgebirger standen sich im Limit bis 98 Kilo mit dem Deutschen Juniorenmeister Connor Sammet aus Aue und dem Vize-Europameister 2021 Anton Vieweg gegenüber, der aus Lugau kommend, sich dem Bundesligateam des AVG anschloss. Vieweg setzte sich mit druckvollem Kampf und schönen Techniken mit 9:0 Punkten durch. Im letzten Duell vor der Pause hielt Dustin Scherf (66 kg/GR) die Niederlage gegen den zuletzt stark auftrumpfenden Ungarn Mate Krasznai beim 0:8 in Grenzen. Aue kam nach fünf- von zehn Kämpfen auf 5:8 heran.


Nach der Pause baute Patryk Dublinowski (86 kg/FR) die Markneukirchner Führung mit einem Abbruchsieg (16:0) durch technische Überlegenheit gegen Franco Büttner auf 12:5 aus. Marco Stoll (71 kg) zeigte, dass er auch im ungewohnten freien Stil keine schlechte Figur macht, gegen Aue’s Nachwuchsringer Tim Ullrich benötigte Stoll keine zwei Minuten, um zum 15:0-Überlegenheitserfolg zu kommen.

Nun hieß es beim Stand von 16:5 für die AVG-Kämpfer in den restlichen drei Duellen keine vorzeitigen Niederlagen abzugeben. Den Anfang machte Erik Löser (80 kg/GR), der gegen den Fünften der diesjährigen Weltmeisterschaft Laszlo Szabo (HUN) einen starken Kampf absolvierte. „Woher Kampfrichter Stefan Hetzheim die zwei Punkte nach einer halbherzigen Eindrehbewegung des Ungarn nahm, weiß ich nicht, Erik wurde nicht geworfen, er hatte sich einfach in Wurfrichtung mitgedreht“, schüttelte AVG-Mannschaftsleiter Jörg Guttmann den Kopf. Doch mehr als diese eine Aktion war für den Ungarn nicht drin, der damit 3:0 gewann und nur zwei Mannschaftspunkte auf das Konto des FCE zum 16:7 packte. „Damit war der Gesamtsieg bereits in Stein gemeiselt, Aue kann maximal noch auf 15 Punkte kommen und Erik kann man trotz der Niederlage als einen der Matchwinner bezeichnen“, freute sich Trainer Andre Backhaus über die Leistung seines Mittelgewichlers.


Doch auch Serjan Simonyan (75 kg/GR) ließ rein gar keine Aktion des diesjährigen EM-Dritten Robert Fritsch zu, der AVG-Wltergewichtler gab gar nur einen Mannschaftspunkt an den starken Ungarn ab. AVG-Schlussringer William Stier (75 kg/FR) konnte gegen Mateusz Kampik unbeschwert aufringen, Kampik, der von Pausa nach Aue gerückt war, punktete immer wieder mit seiner gefährlichen Kopfklammer, die Stier nur beim ersten Mal abfangen und in eigene Punkte ummünzen konnte. Kampik setzte sich mit 16:5 Punkten durch, doch waren seine drei Mannschaftspunkte nur noch Ergebniskosmetik zum 16:11 für die Gäste aus Markneukirchen.


„Der Schachzug Marco Stoll stilartfremd ringen zu lassen und die beherzte Kampfesweise unserer Ringer gaben den Ausschlag für den Derby-Sieg“, so Mannschaftsleiter Jörg Guttmann zufrieden.

„Es war schon sehr ungewohnt, ohne Fans, denn der Ringkampf lebt von der Atmosphäre, aber ich denke wir haben einen guten Kampf geliefert, meine Jungs haben alles gegeben und die jungen Akteure aus der zweiten Mannschaft sind halt noch nicht soweit, wollen aber ringen und sich über diese Kämpfe weiterentwickeln“, so FCE-Trainer Björn Schöniger nach dem Kampf.


Jörg Richter

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